· Lena Wagner
Im Flugzeug schlafen: was wirklich hilft
Auf einem Nachtflug hat man theoretisch sieben oder acht Stunden. In der Praxis kommen die wenigsten auf mehr als zwei zusammenhängende. Die üblichen Erklärungen — Lärm, Licht, trockene Luft — stimmen alle, sind aber nicht die erste Ursache. Die erste Ursache ist mechanisch, und sie lässt sich mit einem Gegenstand beheben.
Warum der Kopf im Sitzen kippt
Im Liegen trägt die Matratze den ganzen Rumpf, und das Kissen füllt nur den Abstand zwischen Kopf und Unterlage. Im Sitzen ist die Lage umgekehrt: die Lehne hält den Rücken, aber der Kopf steht frei über der Wirbelsäule. Wach hält ihn die Muskulatur dort — im Schlaf lässt sie los, und der Kopf sucht sich die nächste Auflage.
Meist ist das die Schulter, in einer Drehung, die man wach nie einnehmen würde. Der Körper merkt das und weckt einen auf. Danach richtet man sich auf, schläft wieder ein, und der Vorgang wiederholt sich. Das ist kein leichter Schlaf, das ist eine Kette von Einschlafversuchen.
Eine U-Form füllt den Raum zwischen Kinn, Schulter und Lehne aus. Der Kopf hat dann eine Auflage, sobald er sich bewegt, und die Drehung bleibt begrenzt. Das ist alles, was eine Nackenstütze tut — und es ist genau der fehlende Teil.
Die Öffnung gehört nach hinten
Es ist der häufigste Fehler im Flugzeug, und er kostet die halbe Wirkung. Mit der Öffnung nach vorn füllt das Kissen den Nacken aus und lässt das Kinn frei — der Kopf fällt dann trotzdem nach vorn, nur mit einem Polster im Rücken. Richtig herum liegt die dickste Stelle da, wo der Kopf hin will, und die beiden Enden begrenzen die seitliche Drehung.
Der Sitzplatz macht mehr aus als die Kabinenklasse
Wer die Wahl hat, nimmt einen Fensterplatz. Nicht wegen der Aussicht, sondern weil die Seitenwand dem Kopf einen Widerpart gibt: das Kissen hat eine Fläche, gegen die es arbeiten kann. Auf einem Gangplatz fehlt diese Wand, und man wird zusätzlich von jedem vorbeigehenden Passagier gestreift.
| Platz | Zum Schlafen | Warum |
|---|---|---|
| Fenster | Am besten | Seitenwand als Widerlager, niemand steigt über dich |
| Mitte | Geht | Kein Widerlager, aber auch kein Durchgangsverkehr |
| Gang | Am schlechtesten | Kein Widerlager, ständige Störungen |
| Letzte Reihe | Meiden | Lehne oft nicht verstellbar, Nähe zu Bordküche und WC |
| Notausgangsreihe | Gemischt | Mehr Beinfreiheit, aber Lehne meist fixiert |
Und ein Detail, das viele übersehen: die Lehne ein paar Zentimeter zurückstellen, sobald es erlaubt ist. In aufrechter Position hat der Kopf gar keine Auflage — die beste Nackenstütze kann dann nur die Seiten abfangen, nicht die Rücklage.
Licht und Lärm: die beiden anderen Hindernisse
Der Kabinenlärm auf Reiseflughöhe liegt bei rund 85 Dezibel — ein gleichmäßiges Rauschen, an das man sich zwar gewöhnt, das aber das Einschlafen verzögert. Und dunkel wird es an Bord nie ganz: die Kabinenbeleuchtung bleibt gedimmt, und die Fenster der Nachbarreihen sind selten alle geschlossen.
Deshalb sind Schlafmaske und Ohrstöpsel keine Dreingabe, sondern der Rest der Antwort: ein gehaltener Kopf allein reicht nicht, wenn Licht und Lärm bleiben. Beides zusammen ist im Reise-Set enthalten.
Was weniger bringt, als man denkt
Alkohol. Er verkürzt die Einschlafzeit und zerlegt danach den Schlaf in kurze Stücke. Auf einem Langstreckenflug tauscht man damit zwanzig Minuten schnelleres Einschlafen gegen mehrere Wachphasen.
Aufblasbare Nackenkissen. Sie sind klein im Gepäck und verlieren im Flug an Druck; nach einer Stunde ist die Höhe eine andere als beim Aufpumpen. Dasselbe gilt für Mikroperlen-Füllungen: sie weichen unter Druck zur Seite aus, und die Stütze ist nach zwanzig Minuten weg. Ein formstabiler Schaumkern hält seine Höhe über den ganzen Flug — der Unterschied dazu steht auf der Seite Reisekissen.
Die Kapuze als Ersatz. Sie hält den Kopf nicht, sie verdeckt nur das Licht. Dafür ist die Schlafmaske gemacht, und sie drückt nicht.
Der Ablauf, der funktioniert
- Beim Einsteigen auspacken. Ein komprimiertes Kissen braucht ein paar Minuten, um seine Form zurückzunehmen. Hol es heraus, bevor du schlafen willst, nicht danach.
- Lehne zurück, sobald erlaubt. Ohne Rücklage hat der Kopf keine Auflage.
- Kissen mit der Öffnung in den Nacken. Der dicke Teil unter das Kinn.
- Maske auf, Ohrstöpsel rein — vor dem ersten Einschlafversuch, nicht nach dem dritten.
- Uhrzeit am Ziel übernehmen. Wenn es dort Nacht ist, schlafen; wenn nicht, wach bleiben. Das ist das Einzige, was gegen den Zeitzonenwechsel wirklich hilft.
Im Zug und im Auto
Dasselbe Problem, dieselbe Lösung: Zugsitze geben seitlich keinerlei Halt, und als Beifahrer im Auto kippt der Kopf bei jeder Kurve. Nie am Steuer: eine Nackenstütze schränkt die Schulterblickfreiheit ein, und das ist kein Ort für Kompromisse.
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